Unser Informationsservice zum Thema: GONARTHROSE
Was
versteht man unter einer
Gonarthrose? Einfache Übersetzung von Gonarthrose:
Kniegelenkverschleiß. Die Verschleißerscheinungen können sowohl isoliert oder
aber auch bevorzugt den inneren oder äußeren Kniegelenkanteil wie die Gelenkfläche
hinter der Kniescheibe betreffen. Die unterschiedlichen Bezeichnungen der
Gonarthrose können zunächst hinweisen auf den hauptbetroffenen
Kniegelenkanteil, so bedeutet mediale Gonarthrose, dass der innere Anteil
bevorzugt betroffen ist, die laterale Gonarthrose meint den äußeren Anteil und
eine sogenannte Retropatellararthrose heißt, hier ist die Kniescheibengelenkfläche
betroffen. Sind alle 3 Gelenkanteile betroffen, spricht man von einer
Pangonarthrose. Eine weitere grobe Unterscheidung ergibt
sich durch die Bezeichnung primäre Gonarthrose, dies heißt, dass ein
spezifischer Verursacher nicht bekannt ist. Bei einer sekundären Gonarthrose
sind besondere, die Entstehung und den Fortschritt der Krankheit fördernde
Ursachen bekannt.
Wie
häufig tritt die Gonarthrose auf? Abnutzungs-Gelenkerkrankungen, also
Arthrosen und somit auch die Gonarthrose sind von großer sozialmedizinischer
Bedeutung durch ihre Häufigkeit. Zu verstehen ist die Dimension, wenn man
sich vor Augen hält, dass letztlich jeder Mensch Arthrosen entwickelt, sofern
er sie erlebt. Das soll heißen, dass der Gelenkverschleiß jeden Menschen früher
oder später betreffen wird. Die Häufigkeit der Gonarthrose ergibt
sich auch aus der Reihenfolge der häufigsten von Arthrose befallenen
Strukturen: Zunächst die Wirbelsäulenveränderungen, dann bereits das
Kniegelenk (Gonarthrose) als nächstes die Arthrosen des Schultergelenks (Omarthrose),
des Hüftgelenks (Coxarthrose), des Daumensattelgelenks (Rhizarthrose) sowie der
Fingerend- und –mittelgelenke. Anzufügen ist noch, dass bereits
zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr bei ungefähr 50 % der Bevölkerung
Arthrosezeichen im Knie gefunden werden können, ab dem 70. Lebensjahr bestehen
bei jedem Menschen Veränderungen i. S. einer Gonarthrose.
Wie
erkennt man eine Gonarthrose? Der eindeutige Beleg findet sich in der
Röntgenaufnahme eines entsprechend veränderten Kniegelenks. Der Befund einer
Gonarthrose kann jedoch auch durch andere Verfahren wie z. B. im Rahmen einer
Kniegelenkspiegelung (= Kniegelenkarthroskopie) oder durch eine
Kernspintomographie gestellt werden. Die Röntgenaufnahme stellt selbstverständlich
nur die knöchernen Veränderungen dar, die im Ablauf einer Arthrose die letzten
und leider auch für den Patienten meist schmerzlichsten Stadien dokumentieren. Die schon erheblich früher, meist schon
Jahrzehnte zuvor beginnenden Veränderungen des Knorpels sind zunächst nur
biochemisch bzw. feingeweblich nachweisbar, schließlich kommt es zu
Knorpelabrieb und –veränderungen, die man dann sowohl in der
Kernspintomographie wie auch der Arthroskopie feststellen kann. In letzter
Instanz verändert sich zuletzt auch der gelenknahe Knochen. Die Symptome einer Gonarthrose sind zwar
recht typisch, können jedoch mit Beschwerden wie z. B. durch eine
Kniegelenkentzündung (Gonarthritis), Kniebandverletzungen oder Meniskusschädigungen
verwechselt werden. Den letztendlichen und stichhaltigen Beweis liefern nur o.
a. Verfahren. Dennoch sollen die Symptome der
Gonarthrose genannt werden: Die Betroffenen klagen über ein
Steifigkeitsgefühl des Gelenkes, verbunden mit einem Anlaufschmerz z. B. nach längerem
Liegen oder Sitzen. Die Patienten berichten auch über
Schwellneigungen, Ergussbildungen des Kniegelenks, zunehmende Schmerzen
nach immer geringeren Belastungen. Auch die zunächst nur selten
auftretenden Reizschübe kommen immer häufiger, das Kniegelenk braucht immer länger,
um wieder in einen reizfreien Zeitabschnitt zurück zu kommen. Im weiteren Verlauf wird die
Belastungssensibilität immer stärker, insbesondere das Treppensteigen, und
hier das Treppabgehen oder Bergabgehen, wird rasch schmerzhaft, fühlt sich
unsicher an und führt rasch zu Reizerscheinungen. Schließlich reduziert sich die
Gehstrecke, weil immer rascher, immer stärkere Schmerzen zu einem Anhalten bei
Spaziergängen zwingen. Schlussendlich wird bei teils heftigen,
mehr oder weniger ausgeprägten Ruhebeschwerden, so z. B. auch beim Schlaf, die
Gelenkbeweglichkeit immer schlechter. Es kann auch zu Achsveränderungen des
Kniegelenkes z. B. i. S. eines O-Beins (= Varus - Gonarthrose) sowie auch eines
X-Beins (= Valgus - Gonarthrose) kommen. Aufmerksame Beobachter gewinnen den
Eindruck einer abnehmenden Stabilität des Kniegelenkes auf unebenem Boden, wie
eine durch die schmerzbedingte Schonung immer weiter verschwindende Muskulatur
des Oberschenkels.
Welche
Faktoren fördern Entstehung und Fortschreiten einer Gonarthrose? Hier sind zunächst die Ursachen der
sekundären Gonarthrose zu nennen.
Die
Fehlstatik bedingt grundsätzlich die Überlastung eines der o. g. 3
Kniegelenkanteile mit somit überdurchschnittlich raschem Verschleiß, der dann
auch entsprechend früher zu Tage tritt. Eine optimale Verteilung der Belastung
ist so nicht möglich.
Zugrunde liegt hier, dass entweder die korrespondierenden Gelenkflächen nicht mehr genau aufeinander passen bzw. die Führung des Gelenkes schlechter wird und somit das „Spiel“ des Gelenkes für erhöhten Verschleiß sorgt.
Aus Erfahrung wissen wir auch, dass nach
insbesondere totaler bis subtotaler Entfernung des Meniskus durch die dann nicht
mehr stimmende Gelenkstatik auch raschere degenerative Veränderungen und im
Gefolge meist auch verfrüht eine Gonarthrose auftritt. Ein weiterer, aus der Beobachtung
wirksamer Faktor ist eine schlechte Muskelpflege, der das Kniegelenk führenden
und stabilisierenden Muskeln, wie z. B. dem mächtigen Oberschenkelstrecker, dem
vierköpfigen Musculus (M.) quadriceps, wie insbesondere bei langfristiger körperlicher
Schonung, starker Immobilität besteht. Insoweit können auch grundsätzlich
neurologische
Erkrankungen, die zu einer verschlechterten Ansprache der Muskulatur,
insbesondere jedoch auch zu einer unbalancierten Steuerung der Muskulatur und
somit der Bewegungsabläufe führen, verfrüht zu einer Gonarthrose beitragen. Selbstverständlich sollten hier nur die häufigsten und bekannten Ursachen angeführt werden.
Wie
wird eine Gonarthrose behandelt? Je nach Schweregrad der Gonarthrose und
auch der subjektiven Beeinträchtigung des Betroffenen ist zunächst zwischen
konservativer und operativer Therapie zu unterscheiden. Zunächst soll jedoch, sofern noch möglich,
ein konservativer Therapieversuch der Gonarthrose gemacht werden. Nach vorausgehender Diagnostik, die
insbesondere das Stadium der Gonarthrose durch bildgebende Verfahren, üblicherweise
Röntgen, abklärt, kann nach Befragen des Patienten, eingehender klinischer
Untersuchung aus einer Vielzahl sich gegenseitig ergänzender konservativer
Therapieansätze ein individuelles Konzept abgeleitet werden. Grundsätzliche Zielsetzung der
konservativen Therapie ist, einerseits die Symptomatik und somit die
Schmerzhaftigkeit, entzündliche Reaktion des Kniegelenks zu reduzieren, ergänzend
hierzu muss jedoch durch aktivierende Maßnahmen der lokale Stoffwechsel
verbessert, die Beweglichkeit des Kniegelenks vermehrt, die schützende und führende
Muskulatur aufgebaut werden. Hierzu stehen orientierend folgende
Therapieanteile zur Verfügung:
Hierunter
versteht man Anwendungen im Wasser wie z. B. Bewegungsbäder, Wärme- oder Kälteanwendungen,
Elektroanwendungen wie z. B. Iontophoresen oder Ultraschallanwendungen, auch
Massagen. Durch diese Anwendungen soll zunächst die Symptomatik und
Schmerzhaftigkeit reduziert werden.
Das große Feld der operativen Maßnahmen
soll hier nur gestreift werden. Grundsätzlich ist zu unterscheiden zwischen
gelenkerhaltenden Operationen, gelenkversteifenden Operationen oder
gelenkersetzenden Operationen. Nach zunächst gelenkerhaltenen Operationen wie
z. B. einer Achsumstellung des Kniegelenks (z. B. valgisierende
Tibiakopfosteotomie) wird dann meistens nach einigen Jahren langsamer
fortschreitender Gonarthrose dennoch eine weitere Operation erforderlich,
heutzutage meist die gelenkersetzende Operation, bei der mit mittlerweile
geringer Komplikationsrate, sehr gutem Erfolg Schlittenprothesen oder
Knietotalendoprothesen eingesetzt werden, wobei es hier sogenannte gekoppelte
oder ungekoppelte Totalendoprothesen (TEP) gibt. Diese Operationen stehen am Ende einer
arthrotischen Entwicklung, führen jedoch zu einer erheblichen Verbesserung der
Lebensqualität mit meist Beschwerdefreiheit und deutlich gestiegener
Belastbarkeit. Gelenkversteifende Operationen werden
heutzutage nur noch in Spezialfällen oder nach Versagen der gelenkersetzenden
Operationen durchgeführt.
Welchen
Vorteil habe ich von der Durchführung einer stationären Rehabilitationsmaßnahme
bei Gonarthrose? Die stationäre, gebündelte Behandlung
einer Gonarthrose führt erheblich schneller zu einer Verbesserung der
Gesamtsituation, der Schmerzhaftigkeit, der Lebensqualität als dies eine
sporadische, sich auf wenige Anwendungen beschränkende, sogenannte
niederfrequente ambulante Therapie erwarten lässt. Insbesondere können wir stationär
individuell
auf die Besonderheiten des einzelnen Betroffenen eingehen und auch rasch auf
Veränderungen, Reizzustände des Kniegelenks reagieren. Neben der Möglichkeit,
zeitnah den Arzt zu kontaktieren, besteht auch die Möglichkeit mit den
Therapeuten in engem Kontakt Fragen zur weiteren Therapie, zu eigenen Übungen
zu klären. Hier nimmt man sich die Zeit, um Ihnen den Umgang mit der
Gonarthrose zu erläutern, Sie werden schließlich lernen, wie mit dieser
langsam fortschreitenden und letztlich nicht zu heilenden Erkrankung umgegangen
werden muss. Jeder Fachbereich trägt hierzu bei. So können Sie von unseren
Krankengymnasten
erwarten, dass diese ein individuelles, auch täglich den Notwendigkeiten
folgendes therapeutisches Regime verfolgen, das neben der Verbesserung der
Beweglichkeit insbesondere den Muskelaufbau im Auge hat. Ein häusliches Übungsprogramm
wird für Sie verständlich formuliert und dient zur weiteren Muskelpflege und
Muskelaufbau. Die Vielzahl physikalischer
Therapieformen, wie oben bereits erwähnt, trägt letztendlich begleitend
und auch vorbereitend zu einer Verringerung der Schmerzen, Verbesserung der
lokalen Stoffwechselsituation zur Abschwellung des arthrotischen Kniegelenks bei
und unterstützt somit das Gesamtkonzept.
Ergotherapeutisch können Sie bei
Bedarf erlernen, mit welchen Hilfsmitteln Sie Ihre häuslichen oder auch
beruflichen Tätigkeiten trotz Gonarthrose wieder besser wahrnehmen können, es
können auch Techniken und Schulungen zur Vermeidung gelenkzerstörender
Bewegungsabläufe vermittelt werden. Auch in diesem Fachbereich sind, über
einen anderen Ansatz, Muskelaufbau, Gangschulung möglich. Je nach Stadium der Gonarthrose ist auch
ein sportliches Engagement noch gut möglich, hierzu bietet unsere
Sportabteilung z. B. über Walking, Stickwalkung, Schwimmen, Rückenschwimmen,
Ball- und Bandgruppe und weitere Therapieformen weiträumige, in der
Belastbarkeit abgestufte Therapien an. Bei dem Sie therapeutisch führenden
Arzt
schließt sich wiederum der bei der Aufnahme und Beratung begonnene Kreis, er
wird Ihnen unter Sammlung der gewonnenen Erkenntnisse, Sichtung der Unterlagen
und nach Untersuchung raten können, wie Sie das tägliche Leben am besten
meistern, Sie zu Hause weiter vorgehen sollen, ob evtl. eine Operation, und
welche, ansteht. Auch die begleitende medikamentöse Therapie liegt in seinen Händen
und wird das Therapieergebnis abrunden. Nicht zu vergessen ist auch, dass wir
uns z. B. im Rahmen der Schulungen und Ernährungsberatung um das
meistens durch die Schonung eher noch stärker auftretende Problem des Übergewichts
kümmern. Bekanntermaßen wird eine bereits aufgetretene Arthrose, so auch die
Gonarthrose, durch ein Übergewicht in ihrem Fortschritt deutlich beschleunigt,
so dass hier mit weiteren positiven Effekten für den gesamten Körper, auch
erhebliche Pluspunkte für eine Verringerung der Symptomatik und Verringerung
des Verschleißes gesammelt werden können. Sollten Sie bereits am Kniegelenk
operiert worden sein, z. B. i. S. einer Meniskus-Operation, einer
Korrekturosteotomie, aber auch einer gelenkersetzenden Operation wie z. B.
Implantation einer Knie-TEP sind Sie mit den selben Therapiegrundsätzen, aber
anderer Kombination bei uns bestens aufgehoben. Aus enger Zusammenarbeit mit
den überweisenden Kliniken und auch aus unserer eigenen Ausbildung heraus
sind wir bezüglich der verwendeten Operationstechniken „up to date“ und können
das therapeutische Regime der operierenden Häuser in der Nachbehandlungsphase
nahtlos fortsetzen. Wegen der Vielzahl der möglichen operativen Eingriffe soll
hier auf eine Nennung ebenso vielfältiger grober Konzepte, die alle individuell
abgewandelt werden müssen, verzichtet werden.
Was
ist das Entscheidende an der Behandlung einer Gonarthrose? Aus unserer Sicht sollte, sobald die
Diagnose Gonarthrose eindeutig belegt ist, eine umfassende Schulung des
Patienten erfolgen, damit er mit der Erkrankung, insbesondere jedoch auch mit
den Einschränkungen von Belastbarkeit, Beweglichkeit des Kniegelenks umgehen
kann. Insbesondere sollte Wissen über die zu vermeidenden Belastungen oder
Bewegungsabläufe genauso wie über die wünschenswerten Belastungen oder
Bewegungsabläufe weitergegeben werden. In starker gegenseitiger Verknüpfung
und somit einem Gesamtkonzept folgend, sollte entlang der individuellen
Belastbarkeit des Patienten und seiner Beschwerden eine Reduktion der
Symptomatik durch konzentrierte physikalische Therapie erfolgen, damit er
andererseits für aktivierende Anwendungen, also Muskelaufbau, Verbesserung der
Beweglichkeit und somit Steigerung der Gelenkbelastbarkeit, vorbereitet ist.
Idealerweise sollte dies unter ständiger Kontrolle eines Arztes bzw.
entsprechend ausgebildeter Therapeuten erfolgen, die zeitnah auf
Reizerscheinungen oder Befindlichkeitsstörungen reagieren können. Begleitend
kann und muss hier von Fall zu Fall medikamentös unterstützt werden. Es ist erkennbar, dass eine solch
komplexe und dichte wie breite Therapie idealerweise in einem stationären
Rahmen angeboten werden kann, da Sie nur hier alle Therapieformen unter einem
Dach in entsprechender Menge erhalten können und von den Belastungen des täglichen
Lebens bis hin zur Selbstversorgung befreit sind. Da die Arthrosen, wie auch die
Gonarthrose, in ihrem Ablauf lediglich zu bremsen, kurzfristig aufzuhalten, aber
nicht wirklich zu heilen sind, ist eine möglichst frühzeitige konzentrierte
Therapieanstrengung seitens der Betroffenen nötig, um weitere, z. B. operative
Schritte möglichst noch weit hinaus schieben zu können. Zusammengefasst sollte möglichst früh nach Diagnosestellung der Gonarthrose dem Patienten das Wissen über die Erkrankung, den Ablauf, die Therapieoptionen und vor allen Dingen der eigene therapeutische Anteil vermittelt werden. Dies können Sie von uns erwarten. Da eine Arthrose einen langjährigen Beschwerdeverlauf nimmt, ist eine z. B. kompakte Reha-Maßnahme von etwa 3 Wochen Dauer eine lohnenswerte Investition, die sich auf lange Sicht „bezahlt“ macht. Wir freuen uns, wenn wir Ihnen helfen können. Ihr Dr.
med. R. Wieczorek
Zur Klärung
weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht
Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte
vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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